Ägypten - Sueskanal, künstliche Wasserstraße, größtes Bauvorhaben des 19. Jahrhunderts

Ägypten - Der Sueskanal, das größte Bauvorhaben der Welt im 19.Jh.

Der schleusenlose Sueskanal ist eine künstliche Wasserstraße und seine Anfänge reichen weit zurück in die Pharaonenzeit. Mitte des 19. Jh. begann das für die damalige Zeit größte Bauvorhaben der Welt. Heute ist diese künstliche Wasserstraße nach dem Nord-Ostsee-Kanal eine der wichtigsten und meist benutzten der Welt. Der Sueskanal verbindet das Rote Meer mit dem Mittelmeer.



Sueskanal-Informationen:

Zahlen und Fakten

Zeitersparnis

Passage

Passage-Statistik

Geschichte

Schließungen

Brücken über den Sueskanal

Seen

Baufolgen

Zahlen und Fakten

  • Start-/Endpunkt im Norden: Port Said
  • Start-/Endpunkt im Süden: Suez
  • Baubeginn: 25. April 1859
  • Eröffnung: 17. November 1869
  • Gesamtlänge 1869: 164 km
  • Gesamtlänge 2010: 193,3 km
  • Wassertiefe 1869: 8 m
  • Wassertiefe 2010: 24 m
  • Maximale Breite an der Wasseroberfläche 1956: 148 m
  • Maximale Breite an der Wasseroberfläche 2010: 313 m
  • Maximale Breite am Kanalgrund 1956: 36 m
  • Maximale Breite am Kanalgrund 2010: 121 m
  • Tiefgang der Schiffe: 20 m (seit 2010), eine Erweiterung auf 22 m ist geplant.

Der Streckenverlauf des Sueskanals:

Suez - Kleiner und großer Bittersee - Timsah-See, die Verlängerung des Golf von Suez - Ismailia - Salzsümpfe von El Ballah - Lagunen von Mansalah - Port Said

Zeitersparnis

Der Sueskanal liegt am Isthmus von Sues. Diese Landenge verbindet die Kontinente Afrika und Asien. Durch diese einzigartige Lage ist die Wasserstraޥ das Bindeglied zwischen Rotem Meer im Süden und Mittelmeer im Norden. Vor dem Bau mussten Schiffe die lange und gefährliche Fahrt um Kap Hoorn nehmen, wenn sie vom Mittelmeer in den Indischen Ozean fahren wollten. Heute bietet der längste Kanal der Welt ohne Schleusen eine beträchtliche Zeit- und Geldersparnis.

Einige Beispiele:

  • Singapur-Rotterdam:
  • Durch den Sueskanal: 8.288 Seemeilen, ca.15.300 km
  • Rund um Kap Hoorn: 11.755 Seemeilen, ca. 21.770 km
  • Ersparnis: 3.647 Seemeilen = 29%

  • Colombo - New York:
  • Durch den Sueskanal: 8.600 Seemeilen, ca.15.300 km
  • Durch den Panama-Kanal: 14.073 Seemeilen, ca. 26.000 km
  • Ersparnis: 5.473 Seemeilen, 10.135 km = 39%

  • Singapur - New York:
  • Durch den Sueskanal: 10.133 Seemeilen, ca. 18.760 km
  • Durch den Panama-Kanal: 12.506 Seemeilen, ca. 23.160 km
  • Ersparnis: 2.373 Seemeilen, ca. 4.395 km = 19%

  • Jeddah - Piräus:
  • Durch den Sueskanal: 1.320 Seemeilen, ca. 2.440 km
  • Rund um Kap Hoorn: 11.207 Seemeilen, ca. 20.755 km
  • Ersparnis: 9.887 Seemeilen, ca. 18.310 km = 88%

Der Sueskanal ist erweiter- und vertiefbar, um sich den Ansprüchen des Schiffsverkehrs anzupassen. Die Kosten für die Erhaltung sind sehr hoch, da die Ufer meist nur aus Sand bestehen.

Ein modernes Überwachungs- und Radarsystem erm�cht es, Schiffe an jedem Punkt des Kanals im Auge zu behalten, so dass im Notfall schnell reagiert werden kann.

An beiden Ufern liegen in Abständen von 125 m Ankerpoller, um im Notfall Schiffe dort ankern zu lassen und KM-Angaben um die Schiffsposition zu lokalisieren, nachts ergänzt durch Leuchtbojen.

Eine Passage ist auch für die ganz großen Öltanker möglich, die sogenannten VLCC (very large crude carriers) über 200.000 Tonnen und die ULCC (ultra large crude carriers) über 320.000 Tonnen - teilweise aber nur unbeladen.

Passage

Jedes Schiff darf den Kanal nur mit einem Lotsen von Land befahren. Der Kapitän oder sein Stellvertreter müssen während der ganzen Passage auf der Brücke anwesend sein. Die Passage muss rechtzeitig vorher angemeldet werden, sonst ist eine Durchfahrt nicht möglich. Die angemeldeten Schiffe müssen im Konvoi durch den Sueskanal fahren.

Die Passage ist tagsüber und nachts möglich, in beiden Richtungen, aber nur einspurig.

Schiffe müssen mindestens 4 Stunden vor Konvoi-Abfahrt ankommen. Jedes Schiff bekommt von der Behörde seinen Platz im Konvoi zugewiesen, den es die gesamte Passage beibehalten muss. Schnellere Schiffe machen den Anfang, langsamere oder Schiffe mit gefährlichem Frachtgut fahren am Ende des Konvois.

Es gibt 3 Konvois:

  • Von Nord nach Süd, also von Port Suez nach Port Said - Abfahrt um 05.00 Uhr
  • Von Süd nach Nord - 1. Konvoi - Abfahrt 01.00 Uhr
  • Von Süd nach Nord - 2. Konvoi - Abfahrt 07.00 Uhr
  • Der erste Süd-Nord-Konvoi ankert dann in den Bitterseen und der 2. Süd-Nord-Konvoi bei El Ballah, um den Weg für den Nord-Süd-Konvoi frei zu machen.

Die Passage dauert durchschnittlich ca. 13 Stunden.

Es gibt verschiedene Wartezonen bzw. Begegnungsstellen mit einer Länge von insgesamt 80,5 km:

  • Port Said 40,1 km
  • El Ballah, 8,9 km
  • Timsah 4,3 km
  • Deversoir 8,4 km
  • Bitterseen 11,8 km
  • Kabret 7,0 km

Die Fertigstellungen erfolgen zwischen 1944 und 1980

Passage-Statistik

Im 1. Halbjahr 2013: insgesamt 8.012 Schiffe, durchschnittlich 44 täglich

  • Öltanker: 1.736
  • Frachtschiffe: 693
  • Containerschiffe: 3.007
  • Passagierschiffe: 46

Im Lauf von 100 Jahren hat sich die Zahl der Passagen vervielfacht:

  • 1910: 4.533 Durchfahrten
  • 1957: 10.958 Durchfahrten
  • 2012: 17.225 Durchfahrten

Alle Zahlen stammen von der Sues Canal Authority.

Geschichte

Die Anfänge des Kanals datieren zurück bis ins 3. Jahrtausend v.Chr. Damals wurde versucht, eine Verbindung vom Nil bis zum Roten Meer herzustellen. Es sollte ein Transportweg werden für Kriegsschiffe und monumentale Steine, die man für Bauten benötigte. Genaueres ist allerdings hierüber nicht bekannt.

Im 19. Jh. v.Chr. begann der ägyptische Pharao Senausert III (= Senusret, Sesostris) einen Kanal zu bauen. Wegen Versandungsproblemen wurde er aber später geschlossen. Weitere Versuche folgten im Lauf der nächsten Jahrhunderte. Perserkönig Darius I baute den Kanal so breit, dass 2 Ruder-Kriegsschiffe mit ausgestreckten Rudern aneinander vorbeifahren konnten. Er dokumentierte seinen Bauerfolg mit mehreren Granitstelen an den Nilufern. Doch der Kanal wurde im Lauf der folgenden Jahrhunderte wieder aufgegeben. Römer und Araber folgten, nahmen den Bau - teilweise mit anderer Streckenführung - wieder auf, doch wirklich erfolgreich wurden auch sie auf Dauer nicht.

Erst Napoleon Bonaparte hatte die Idee, mit dem Bau eines modernen Kanals Englands Handel zu schwächen. Doch eine Misskalkulation machte dem Traum schnell ein Ende. Der französische Ingenieur Charles Le Père errechnete fälschlicherweise einen Höhenunterschied zwischen Rotem Meer und Mittelmeer von etwa 9 Metern. Dies würde bedeuten, dass sich das Rote Meer durch den geplanten Kanal ins Mittelmeer ergießen würde. Erst später wurde dieser Irrtum korrigiert.

1854 schaffte es der französische Ingenieur und Diplomat Vicomte Ferdinand Marie de Lesseps, den ägyptischen Vizekönig Muhammed Said Pascha für das Projekt "Sueskanal" zu begeistern. Nach diesem Herrscher ist heute die Stadt Port Said benannt.

Lesseps gründete 1858 die Sueskanal-Gesellschaft, die mit dem Bau beauftragt wurde. Die Aktien hielten Frankreich und Ägypten. Eine erste Studie errechnete, dass der Bau etwa 200 Mio. Francs kosten würde. Bei Fertigstellung des Kanals hatten sich diese Kosten verdoppelt. Der Österreicher Alois Negrelli lieferte die Pläne für den Bau eines schleusenlosen Kanals. Eigentlich gebührt ihm der Titel "Vater des Sueskanals". Leider ist er etwas in Vergessenheit geraten. Am 25. April 1859 begann man mit der Aushebung des Kanals. Am 17. November 1869 wurde der Kanal für die internationale Seefahrt geöffnet.

Dazwischen lagen 10 Jahre harter Arbeit. Um den damals 164 km langen künstlichen Wasserweg zu schaffen, wurden alle 10 Monate etwa 20.000 Arbeiter aus der Landbevölkerung zum Bau eingezogen. Welche Strapazen und harten Arbeitsbedingungen das gewesen waren,lässt sich heute wohl nur noch schwer nachvollziehen. Das Bauprojekt lag mitten in der Wüste, das gesamte Material, Trinkwasser, Verpflegung wurde in den Bauanfängen noch mit Lastkamelen zur Baustelle gebracht. Die Trassierungsarbeiten wurden zunächst noch von Hand ausgeführt, erst Jahre später schufen Maschinen Erleichterung. Eine Cholera-Epidemie kam noch erschwerend hinzu. Wieviele Todesopfer der Bau letztendlich gekostet hat, lässt sich heute nicht mehr feststellen.

Die Eröffnung am 17.11.1869 wurde mit großem Pomp begangen. Zahlreiche gekrönte Häupter waren zu Gast. Zwei Schiffskonvois starteten von Nord und Süd und trafen sich in Ismailia. Die Oper "Aida", die Verdi seinerzeit für die Eröffnungsfeierlichkeiten komponieren sollte, wurde allerdings erst 1871 uraufgeführt - in Kairo.

1875 kauft Großbritannien die ägyptischen Aktienanteile an der Sueskanal-Gesellschaft auf und erhält damit die Kontrolle über den Kanal. 1936 wird dies in Anglo-Ägyptischen Vertrag zugesichert.

1956 wird der Sueskanal unter Präsident Nasser verstaatlicht. Dies ist der Auslöser der Sueskrise. Seit dieser Zeit ist die Wasserstraße Eigentum der Suez Canal Authority. Diese verwaltet und betreibt die Wasserstraße.

Schließungen

Zweimal war der Sueskanal seit seiner Eröffnung geschlossen.

1956 durch eine Invasion britisch-französisch-israelischer Truppen anlässlich der Sueskrise. Der Konflikt wurde 1957 beendet und der Kanal wieder geöffnet.

1967 erfolgte während des 6-Tage Krieges eine erneute Invasion israelischer Truppen. Der Kanal blieb geschlossen bis 1975.

Brücken über den Sueskanal

Die Sueskanal-Brücke

Sie ist auch bekannt unter dem Namen ägyptisch-japanische Freundschaftsbrücke.

Die Schrägseilbrücke steht bei El Qantara (Koordinaten 30° 49' 41.00" N 32° 19' 3.00" E). Sie wurde in siebenjähriger Bauzeit für den Straßenverkehr errichtet, vebindet die Halbinsel Sinai mit dem ägyptischen Festland und war ein Hilfsprojekt der japanischen Regierung.

Technische Daten:

  • Gesamtlänge: 3,9 km
  • Spannweite: 404m
  • Höhe: 70 m
  • Höhe der Pylone: 154 m

Die el-Ferdan-Brücke

Sie liegt 14 km nördlich von Ismailia (Koordinaten 30° 39' 25.00" N 32° 20' 2.00" E) und ist die längste Drehmbrücke der Welt. Am 14. November 2001 wurde sie vom damaligen Präsidenten Mubarak eröffnet. Mit dieser Verbindung sollte die Infrastruktur auf der Sinai-Halbinsel verbessert werden. Vor dem Baubeginn wurde der Kanal auf 320 m verbreitert und von 21 auf 27 m vertieft.

Gebaut wurde sie u.a. von den dt. Firmen Eiffel Deutschland Stahltechnologie Gmbh und ThyssenKrupp Fördertechnik GmbH.

Technische Daten:

  • Länge: 640 m
  • Abstand der Drehpfeiler: 302 m
  • Gewicht pro Brückenhälfte inkl. der Gleise: ca. 10.500 Tonnen
  • Spannweite pro Brückenhälfte: 320 m
  • Dauer der Brückenöffnung: ca. 15 Min.
  • Bauzeit: 5 Jahre

Die Brücke ersetzt die alte Eisenbahnbrücke, die 1967 während des arabisch-israelischen Konfliktes zerstört worden war. Erbaut von einem deutsch-belgisch-ägyptischen Konsortium.

Außerdem unterqueren zwei Wasserkanäle den Sueskanal, sowie ein Strassentunnel, der Ahmed-Hamdi-Tunnel.

Seen

Bittersee

Der Sueskanal führt durch den Großen und dem Kleinen Bittersee, die durch eine Engstelle miteinander verbunden sind. Es sind Salzwasserseen und sie dienen heute als Ausweichstellen für die Schiffspassage.

Als 1967 der Sueskanal wegen der ägyptisch-israelischen Auseinandersetzungen geschlossen wird, müssen 14 Schiffe aus 7 Nationen in den Bitterseen ankern. Auch 2 deutsche Frachtschiffe sind dabei, die Nordwind und die Münsterland. Erst 1975 bei Kanalöffnung dürfen die Schiffe ihren Weg fortsetzen.

Timsahsee

Er liegt etwa in der Mitte des Sueskanals, an seinem Ufer wurde die Stadt Ismailia errichtet. Die Suez Canal Authority hat heute ihren Sitz in dieser Stadt.

Baufolgen

Durch die Verbindung von Rotem Meer und Mittelmeer ergaben sich auch weitreichende ökologische Änderungen. Viele Tierarten, die es vorher nur im Roten Meer gab, wanderten ins Mittelmeer ab, umgekehrt erfolgte der Austausch allerdings in geringerem Maße. Gründe dafür sind unterschiedliche Wassertemperaturen und Salzgehalt. Bekannt ist dieses Phänoment als "Lessepssche Migration", benannt nach dem Erbauer des Sueskanals.

Weitere Spezialthemen zu Ägypten finden Sie unter Wissen Extra.

Länderliste

Ägypten, Afghanistan, Albanien, Algerien, Andorra, Angola, Antarktis, Antigua und Barbuda, Äquatorialguinea, Argentinien, Armenien, Aserbaidschan, Äthiopien, Australien

Bahamas, Bahrain, Bangladesch, Barbados, Belgien, Belize, Benin, Bhutan, Bolivien, Bosnien Herzegowina, Botswana, Brasilien, Brunei, Bulgarien, Burkina Faso, Burundi

Chile, China, Costa Rica, Cote d' Ivoire

Dänemark, Deutschland, Dominica, Dominikanische Republik, Dschibuti

Ecuador, El Salvador, Eritrea, Estland

Fidschi, Finnland, Frankreich

Gabun, Gambia, Georgien, Ghana, Grenada, Griechenland, Grönland, Grossbritannien, Guatemala, Guinea Bissau, Guinea, Guyana

Haiti, Honduras

Indien, Indonesien, Irak, Iran, Irland, Island, Israel, Italien

Jamaika, Japan, Jemen, Jordanien,

Kambodscha, Kamerun, Kanada, Kap Verde, Kasachstan, Katar, Kenia, Kirgisistan, Kiribati, Kolumbien, Komoren, Kongo Republik, Kongo_Demokratische Republik, Korea, Nord, Korea, Süd, Kroatien, Kuba, Kuwait

Laos, Lesotho, Lettland, Libanon, Liberia, Libyen, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg

Madagaskar, Malawi, Malaysia, Malediven, Mali, Malta, Marokko, Marshallinseln, Mauretanien, Mauritius, Mazedonien, Mexiko, Mikronesien, Moldawien, Monaco, Mongolei, Montenegro, Mosambik, Myanmar

Namibia, Nauru, Nepal, Neuseeland, Nicaragua, Niederlande, Niger, Nigeria, Norwegen

Oesterreich, Oman, Osttimor

Pakistan, Palau, Panama, Papua Neuguinea, Paraguay, Peru, Philippinen, Polen, Portugal

Ruanda, Rumänien, Russland

Saint Lucia, Saint Vincent u. d. Grenadinen, Sambia, Samoa, San Marino, Sao Tomé und Principe, Saudi Arabien, Schottland, Schweden, Schweiz, Senegal, Serbien, Seychellen, Sierra Leone, Simbabwe, Singapur, Slowakei, Slowenien, Solomonen, Somalia, Spanien, Sri Lanka, St. Kitts und Newis, Südafrika, Sudan, Surinam, Swasiland, Syrien

Tadschikistan, Taiwan, Tansania, Thailand, Togo, Tonga, Trinidad und Tobago, Tschad, Tschechien, Tuerkei, Tunesien, Turkmenistan, Tuvalu

Uganda, Ukraine, Ungarn, Uruguay, USA, Usbekistan

Vanuatu, Vatikanstadt, Venezuela, Vereinigte Arabische Emirate, Vietnam

Weissrussland

Zentralafrikanische Republik, Zypern


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